Aktuell

Open-Source-Saatgut

Die Weltbevölkerung ernährt sich heute hauptsächlich von 30 Pflanzensorten, dabei gibt es mehr als 30.000 essbare Sorten. Doch unsere Saatgut-Vielfalt schrumpft unaufhaltsam: Allein in den letzten 100 Jahren sind fast 90 Prozent der Pflanzen von unseren Feldern und aus unseren Gärten verschwunden !

Unser Landwirtschafts-System aus Gen-Saatgut und Pflanzenpatenten ist in den Händen weniger Grosskonzerne wie Bayer. Heute kontrollieren Biotech-Unternehmen mit ihren genetisch veränderten Monokulturen, von denen die Risiken bis heute nur unzureichend erforscht sind, den globalen Saatgutmarkt. Patentiertes Saatgut verdrängt zunehmend traditionelle klimaresistente Sorten. Weltweit kämpfen daher immer mehr passionierte Bauern, Wissenschaftler, Anwälte und indigene Saatgutbesitzer für die Zukunft der Samenvielfalt.

Saatgut war in der Geschichte der Menschheit immer Gemeingut, das heisst dass niemand Besitzansprüche anmelden konnte. Es konnte getauscht bzw ge-oder verkauft werden wie es dem Bauern beliebte. Agrar-und Saatgutkonzerne haben in den letzten Jahrzehnten aber versucht – und das erfolgreich – Saatgut zu patentieren.
Eine Gruppe von Pflanzenzüchtern, Agrarwissenschaftlern und Commons-Fachleuten hat eine Open-Source Saatgut-Lizenz entwickelt.  Durch sie wird Saatgut als Gemeingut geschützt – und zwar im Rahmen des international gültigen Zivilrechts. Bisher wurden in Deutschland eine Paprikasorte, drei Tomatensorten, eine Zuckermaissorte, drei Getreidesorten und eine Kartoffelsorte mit der Open-Source-Lizenz ausgestattet. Dies steht im Gegensatz zu den heute leider gängigen Versuch der Saatgutkonzerne, Saatgut zu patentieren und damit zu privatisieren.

Die Anfänge

Im Jahr 2012 gründete sich eine Saatgut-Initiative, inspiriert von dem Prinzip einer „quelloffenen“ (open-source) Lizenz im Softwarebereich. Die Gründungsmitglieder waren davon überzeugt, dass so eine Open Source-Lizenz auch auf Saatgut anwendbar sein müsste, dass man Saatgut durch eine Lizenz vor Privatisierung und vor der Beanspruchung geistiger Eigentumsrechte schützen könne. Nach vier Jahren Arbeit stellten sie 2016 erstmals ihre Lizenz im Rahmen eines Treffens verschiedener internationaler Saatgut-Initiativen vor. Diese Lizenz erlaubt, dass das Saatgut von Dritten frei genutzt, vermehrt und züchterisch bearbeitet werden darf. Als einzige Einschränkung ist es lediglich untersagt, das Saatgut und seine züchterischen Weiterentwicklungen zu privatisieren. Bei jeder Weitergabe des Saatguts werden an die Empfänger die gleichen Rechte und Pflichten übertragen. Die Sorte bleibt also Gemeingut für alle! Und jetzt? Warum macht das nicht jeder?

Wie finanziert sich Open Source-Saatgut?

Zentral ist die Frage, wie sich freie, unabhängige Züchtung finanzieren lässt. OpenSourceSeeds arbeitet intensiv daran und hat in einem Diskussionspapier neue Ideen vorgestellt. Die Kernforderung: „Pflanzenzüchtung hat nicht nur die Aufgabe ein Nahrungsmittel auf den Markt zu bringen, sondern sie fördert auch Kulturlandschaften und mit ihnen sauberes Wasser, reine Luft und fruchtbaren Boden. Und für all dies braucht es biologische Vielfalt. Wenn man das so weit denkt, dann muss man Pflanzenzüchtung und ihre Finanzierung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe sehen.“

Dazu gibt es die Idee, die gesamte Wertschöpfungskette in die Finanzierung einzubeziehen. Wenn alle Akteure beteiligt werden, wird Züchtung zu einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe. Dazu gehört auch die Forderung, den Staat in die Finanzierung der Züchtung einzubeziehen, da unabhängige vielfältige Züchtung dem Gemeinwohl dient.

Und schützt so eine Lizenz vor dem Einsatz von Gentechnik?

Der Einsatz von Gentechnik bei der züchterischen Bearbeitung von Open Source Sorten wird durch die Lizenz nicht ausdrücklich verboten. Es gibt jedoch einen indirekten Schutz: Gentechnik-Verfahren sind zeitintensiv und erfordern hohe Investitionen, die im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich liegen können. Diese hohen Kosten lohnen sich für Unternehmen nur, wenn die neu entwickelten Sorten über Patente gesichert werden können. Doch genau diese werden durch die Open- Source-Lizenz ausgeschlossen. Deshalb ist der Einsatz von Gentechnik an Open Source-Saatgut uninteressant.

Machen Sie mit !

Wir alle können und müssen jetzt einen Beitrag leisten, um die Nahrungsmittelvielfalt zu erhalten, die uns noch bleibt. Unterstützen wir Bewegungen wie Saatgut-Tauschbörsen, lokale Netzwerke und Vereine zur Erhaltung unserer Planzenvielfalt. Säen wir samenfeste Sorten in unsere Gärten oder auf unserem Balkon. Es geht darum, wieder einen Bezug zu unserem Essen herzustellen und sich nicht mit der immer gleichen Supermarktware abspeisen zu lassen !

BIODIVERSITÄT LEBEN

Werden auch Sie zum Seed-Saver:  Bei der Erhaltungszucht kann jeder mitmachen !
Säenerntenselektieren Saatgut tauschen

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